Wo viele Menschen zusammen wohnen, leben und arbeiten, bilden sich vielfältige sich überlagernde Geruchseinflüsse. Welche Geruchsreize welche Reaktion hervorrufen, hängt von der kulturellen Prägung, von biografischen Ereignissen und von der Geruchsempfindlichkeit der Person ab. Alters- und Pflegeeinrichtungen sind gleichzeitig Lebens-, Arbeits- und Pflegeraum und damit eine Schnittmenge vieler Wirklichkeiten. In diesem Spannungsfeld spielt Geruch auf verschiedenen Ebenen eine Rolle.
In unserem Alltag gibt es drei grosse Geruchsräume, die wir fortlaufend hinsichtlich ihrer Qualität überprüfen und managene. Dies sind a) unser eigener Körper, b) unser persönliches und umittelbares Umfeld und c) den öffentlichen Raum, in dem wir uns bewegen.
Wo viele Menschen zusammen wohnen, leben und arbeiten, bilden sich vielfältige sich überlagernde Geruchseinflüsse. Welche Geruchsreize welche Reaktion hervorrufen, hängt von der kulturellen Prägung, von biografischen Ereignissen und von der Geruchsempfindlichkeit der Person ab (Abbildung oben). Alters- und Pflegeeinrichtungen sind gleichzeitig Lebens-, Arbeits- und Pflegeraum und damit eine Schnittmenge vieler Wirklichkeiten.
In diesem Spannungsfeld spielt Geruch auf verschiedenen Ebenen eine Rolle. Für Bewohnende bricht mit dem Heimeinzug das vertraute Geruchsumfeld und das daran gekoppelte Gefühl von Daheimsein weg. Die neue Geruchsumgebung ist fremdbestimmt und geprägt durch medizinische und pflegerische Utensilien. Mitarbeitende sind durch die körperliche und räumliche Nähe während Pflegehandlungen Körper- und Umgebungsgerüchen ausgesetzt, die ihre Leistungsfähigkeit, Pflege- und Betreuungsqualität beeinflussen können. Pflegefachpersonen einer Altersgeriatrie bestätigten, dass bei «olfaktorischen Extremsituationen» Interaktionen so kurz wie möglich gehalten werden. Falls es nicht anders geht: Mundschutz anziehen und Pfefferminzteebeutel vorne rein. Für Besuchende beeinflusst die Geruchsumgebung die Aufenthaltsqualität. Fremde und unangenehme Geruchserlebnisse wie die Entsorgung von Windeln im Personenlift oder Uringeruch auf den Stationen, können zur Hemmschwelle für regelmässige und längere Besuche werden.
Wie mit dem Them Geruch in Pflegeeinrichtungen umgegangen wird ist von Haus zu Haus unterschiedlich. Jede Pflegeeinrichtung hat ihre eigene Geruchskultur. Geprägt wird sie von weichen und harten Einflussfaktoren.
Zu den weichen Einflussfaktoren zählen die Aufmerksamkeit, die die Heimleitung dem Thema schenkt, das Wissen und die Sensibilisierung im Umgang mit Geruch von den Mitarbeitenden, Bewohnenden und Angehörigen, Handlungen und die Kommunikation über das Thema. Doch die Menschen in einer Pflegeeinrichtung kommen uns gehen. Und mit ihnen auch Wissen, Ideen, Produkte und Abläufe im Umgang mit dem Thema Geruch. So wächst mit der Zeit eine Geruchskultur im Umgang mit Gerüchen und im Einsatz von Duft als Ressource, die in jeder Pflegeeinrichtung individuell ist.
Nebst den menschlichen «weichen» Einflussfaktoren, spielen «harte» Einflussfaktoren eine bedeutende Rolle. Dies sind bauliche und gebäudetechnische Bedingungen, die Materialisierung der Räume, materrielle und alltägliche Dinge wie auch Pflege- und Reinigungsprodukte, die eingesetzten werden.
Im Zusammenspiel der «weichen» und «harten» Einflsusfaktoren entsteht so die Geruchsumgebung und die Kultur und Haltung im Umgang damit.
Der Raumgestalterischen Ebene kommt eine wesentliche Bedeutung zu. Von der Konfiguration der Räume mit ihren Funktionen, der verbauten Materialien sowie der eingesetzten Lüftungs- und Gebäudetechnik.
Menschen sind gleichzeitig wahrnehmende wie auch aktiv gestaltende der Geruchsumgebung. Durch ihre Handlungen und ihre Körpergerüche tragen sie zur Geruchsumgebung bei.
Unser Tagesablauf ist geprägt von zahlreichen Handlungen, die bewusst oder unbewusst die Geruchsumgebung beeinflussen.
Über die Whal der Objekte und Dinge in unserer Umgebung, unseren Handlungen und Interaktionen beeinflussen wir bewusst oder unbewusst unsere eigene Geruchsumgebung, wie auch diejenige unserer Mitmenschen.
Wo viele Menschen zusammen leben und arbeiten sind die Gerüche unserer Mitmenschen präsent. Besonders in Berufen wie der Pflege sind sich Mitarbeitende und Bewohnenden wechselseitig ihren Körpergerüchen ausgesetzt.
Die Kommunikation über das Thema Geruch fällt nicht allen einfach, da Gerüche sehr intime Emotionen und Befindlichkeiten betreffen können. Eine offene Kommunikation ist jedoch die Grundlage für ein erfolgreiches Geruchsmanagement.
Geruchssituationen können auf der sogenannten Hedonik-Skala, von sehr unangehenem bis sehr angenehm eingeordnet werden. Die durch unsere Beobachtungen und in Interviews festgestellten Aktivitäten im Umgang mit Gerüchen in einer Pflegeeinrichtung, lassen sich entlang dieser Hedonik-Skala in zwei grobe Handlungsfelder einteilen: Handlungsfeld a) hat die Desodorisierung zum Ziel (Vermeidung und Prävention von Gerüchen), Handlungsfeld b) die Reodorisierung (Hervorbringung von angenehmen Gerüchen). Entlang einer zweiten vertikalen Aches können die verschiedenen Handlungsebenen ergänzt werden: individuelle, gemeinschaftliche und betriebliche Ebene (Abbildung unten).
Den Fokus auf das erste Handlungsfeld zu legen ist naheliegend, denn die Prävention und Neutralisierung von unangenehmen Gerüchen bildet die Grundlage, um mit angenehmen Gerüchen zu arbeiten. Aufmerksame und geschulte Mitarbeitende und Führungskräfte haben die Prävention und Neutralisation von unagenehmen Gerüchen in neuen Gebäuden mittlerweile gut im Griff. Dies auch Dank fortschritten in der Gebäudetechnik, verbauten Materialien sowie durch eine durchdachtere Raumkonfiguration und Materialisierung. Unangenehme Geruchsibldungen sind in somit eher Situationsbezogen und ein unangenehmer miefiger Grundgeruch in Pflegeeinrichtungen gehört der Verfangenheit hat. Ein gutes Beispiel dazu ist das Pflegeheim Heiligkreuz in St. Gallen von dem Architekturbüro Allemann Bauer Eigenmann oder das Gesundheitszentrum fürs Alter Wolfswinkel von Niedermann Sigg Schwendener Architekten.
In alten Baustrukturen, in Situtionen mit Bewohnenden mit einem hohen Pflegebedarf oder auf Abeilungen für Menschen mit Demenz, ist der Umgang mit uanngenehmen Gerüchen, besonders für die Pflegenden, nachwievor eine grosse Herausfordung. Unangenehme Gerüche mit billigen Geruchsspendern zu überduften ist meistens keine gute Idee. Das Credo lautet, die Geruchsquelle zu identifizieren und zu kontrollieren.
Ist der Umgang mit unangenehmen Geruchsbildungen unter Kontrolle, liegt ein grosses Potenzial im zweiten Hanldungsfeld, um durch Wohlgerüche, das Wohlbefinden zu fördern. Hier sind der Kreativität für bereichübergreifenden Ideen keine Grenzen gesetzt. Sowohl auf inividueller, gemeinschaftlicher wie auch betrieblicher Ebene liegt im Einsatz von Duft und Wohlgerüchen als Ressource ein grosses Potenzial, um eine Atmosphäre zu gestalten, in der sich die Menschen wohlfühlen und gerne leben und arbeiten.
Schematische Darstellung zum Einordnen von Geruchssituationen und -phänomenen in Pflegeeinrichtungen. Handlungsfeld a) hat die Deodorisierung zum Ziel, Handlungsfeld b) die Reodorisierung